Bauen ohne Lagerfläche: alles just in time
Klassische Lagerflächen gibt es praktisch nicht. Material wird angeliefert, entladen, in den Aufzug gebracht und direkt an den Zielort verbracht. Was nicht sofort verbaut oder kurzzeitig auf den Etagen zwischengelagert werden kann, hat auf der Baustelle keinen Platz.
Die Konsequenz:
- Anlieferungen laufen streng getaktet über ein digitales Tool.
- Nachunternehmer und Lieferanten buchen Zeitfenster, Lieferzone und benötigte Ressourcen (z.B. Kran, Bauaufzug).
- Der Logistiker prüft, bestätigt oder lehnt ab – immer mit Begründung und meist mit Gegenvorschlag.
Kommt ein LKW zu früh, kann er nicht „mal eben“ warten. Er blockiert sonst die einzige Anlieferspur. In der Praxis bedeutet das: Der Fahrer wartet im Zweifel 20 Kilometer außerhalb auf einer Raststätte, bis sein Slot wirklich dran ist. Insgesamt werden im Projektverlauf 34.000 Transporte erwartet.
Logistik wie ein Flughafenbetrieb
Die Baustelle funktioniert in vielen Punkten wie ein kleiner Flughafen:
- Es gibt definierte „Anflugschneisen“ (Baustraße, Lieferzonen).
- Ist die „Landebahn“ blockiert, muss der LKW eine Runde drehen.
- Falsche Reihenfolge an der Anlieferzone? Dann wird umsortiert – manchmal mit einer zusätzlichen Runde um den Block.
Parallel dazu laufen Rohbau, Fassade und Ausbau über weite Strecken gleichzeitig. Das erhöht die Komplexität: Während unten schon ausgebaut wird, werden oben noch Stockwerke gebaut. Die Logistik muss diese Welten gleichzeitig bedienen.
Nachtlogistik und fast ein 24-Stunden-Betrieb
Mit zunehmender Höhe verlängern sich die Fahrzeiten der Bauaufzüge – Material braucht schlicht länger nach oben. Um die begrenzten Kapazitäten optimal zu nutzen, wird die Logistik zeitlich gestreckt:
- Fassadenelemente werden nachts angeliefert, zwischen 2 und 6 Uhr.
- Müllentsorgung läuft außerhalb der regulären Arbeitszeiten, ebenfalls nachts.
- Perspektivisch wird die Logistik an sechs Tagen die Woche im 24-Stunden-Betrieb laufen.
Dafür braucht es ein eigenes Logistikteam, das nichts anderes macht, als Materialflüsse zu planen, zu steuern und zu überwachen.
800 Menschen auf der Baustelle – und alles hängt an der Logistik
Im Peak werden rund 800 Personen aus mehr als 30 Nationen von vier Kontinenten gleichzeitig auf der Baustelle arbeiten. Damit diese produktiv sein können, muss eines garantiert sein: Wenn ein Nachunternehmer Montagmorgen in Etage 36 mit dem Trockenbau beginnt, steht dort das Material bereits bereit.
Die Logistik sorgt dafür, dass:
- Material zur richtigen Zeit am richtigen Ort ist,
- Ressourcen wie Aufzüge optimal ausgelastet sind,
- Engpässe und Störungen (Stau, verspätete LKWs, Ausfall von Geräten) aufgefangen werden.
Denn: Wenn Material fehlt, steht nicht nur ein Gewerk, sondern im Zweifel eine ganze Kette von Folgearbeiten. Der Bauablauf gleicht einem Dominoeffekt – und die Logistik ist der zentrale Mechanismus, der verhindert, dass die Steine zu früh oder zur falschen Zeit fallen.
Nachhaltige Entsorgung inklusive
Auch die Entsorgung ist Teil des Logistikkonzepts:
- Auf jeder Etage gibt es Sammelstationen mit mehreren Fraktionen (z.B. Papier, Folie, Metall, Rest).
- Unten werden die Stoffe in große Mulden verbracht.
- Papier und Folie werden direkt auf der Baustelle gepresst, um Volumen und damit Transportfahrten zu reduzieren.
Am Ende ist der Turm nicht nur ein architektonisches, sondern auch eine logistische Meisterleistung: Ein Hochhaus, das auf engstem Raum entsteht – gesteuert wie ein präzise programmiertes Uhrwerk.

